2021

Meine biblischen Lieblingsgeschichten VIII - Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.

Meine biblischen Lieblingsgeschichten VIII

Jona schmollt - Jona 4

Da sitzt Jona nun nach getanem Auftrag unter einem Strauch und ist stinksauer. Auf sich, auf die Umstände, auf Gott. Wie viel Ängste hat er ausgestanden, wie weit war der Weg und wie viel Mühe hat er auf sich genommen, um den Auftrag Gottes zu erfüllen und nun das. Wie mit einem Fingerschnippen hat Gott den Leuten in Ninive ihre bösen Taten verziehen, keine Strafe dafür, nicht mal die kleinste. Das darf doch nicht wahr sein! Er wünscht sich, er wäre tot.

Aber Gott lässt zunächst einen Strauch über Jona wachsen, damit er Schatten hat und der seinen Ärger vertreiben sollte. Der Rizinusstrauch ist eine schnell wachsende Pflanze mit großen Blättern, in der Geschichte ist auf wundersame Weise sogar nur von einer Nacht die Rede. Jona freut sich über den Baum, aber Gott lässt den Baum genau so schnell verdorren, wie er gewachsen ist. Jona ist nur erst recht zornig, die Sonne sticht ihm auf den Kopf und er möchte nicht mehr leben. Aber Gott lässt Jona nicht in seinem Zorn verschmoren. Er erklärt sich ihm, er sucht sein Verständnis. Er zeigt ihm auf, das 120.000 Menschen in Ninive sein Mitleid verdienen, mehr als ein einzelner Strauch. Damit endet das Buch Jona. Es wird nicht mehr erzählt, ob Jona sich der Argumentation Gottes angeschlossen hat.

Aber wir können es tun. Zorn ist immer ein schlechter Ratgeber; wir brauchen manchmal jemanden, der uns aus dieser Stimmung reißt, der unsere Sachargumente zerlegt. Mitleid statt Zorn ist die Vorgabe unseres mitleidenden Gottes.

Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.

…Bibelstund‘ - Beitrag von Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

…Bibelstund‘
Austausch über die Bibel XXIII


Auch Hannah Brencher selbst liest, wie ihre Mutter, die Bibel gern beim Frühstück. Vor der Arbeit. Im Coffeeshop. In ihrem zweiten Buch, „Come Matter Here“, erzählt sie davon:

Wie sie in der Früh ab 6.30 Uhr mit Bibel und Notizbuch im Coffeeshop sitzt und die Evangelien liest: eine Woche Johannes, eine Woche Matthäus, eine Woche Lukas, eine Woche Markus.
Sie trinkt mit Jesus Kaffee latte oder schwarz. Dabei kommen die beiden einander echt näher. In Mt 13,55 entpuppt Jesus sich als Zimmermann! Genial! Das sind ganz neue Perspektiven für eine, die in ihrer neuen Wohnung allein auf frisch gelieferten Möbelkartons sitzt und mit den kryptischen Montage-Anleitungen nicht klarkommt…

*

P.S. Trost für alle mit zwei linken Händen: Laut Sitzungsprotokoll Joh 14,2-3 fährt er sogar einmal jährlich voraus für die Ewigkeitsvorsorge! „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen… Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten…“ (Originalton!)

Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Meine biblischen Lieblingsgeschichten VII - Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.

Meine biblischen Lieblingsgeschichten VII
Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.


Das Schöpfungslied - Gen 1


Mit welch wunderbarem Text beginnt die Bibel. Es ist ein Text, der viel Kontroversen ausgelöst hat, zwischen Naturwissenschaftlern und Theologen, zwischen Kreationisten und der historisch-kritischen Exegese.

Dabei war das erste Anliegen der Verfasser gar nicht, haarklein zu erzählen, wie denn nun genau die Welt entstanden ist. Ihr Hauptaugenmerk lag auf der Aussage: Diese Welt ist gut und sie ist von Gott gut gewollt und gemacht. Diese Aussage war sicher nicht leicht in der Zeit, als sie dieses Lied – nämlich genau das ist es - aufgeschrieben haben. Das Volk Israel befand sich im Exil in Babylon. Brutal verschleppt, ausgebeutet und zur Sklavenarbeit gezwungen. Gegen alle Widerstände hielt man am Glauben an den einen Gott fest, beachtete die Gebote trotz aller Anfeindungen. In so einer Situation von einer guten Welt zu sprechen ist sicher nicht leicht.

Aber es hilft, es hat damals geholfen und hilft auch heute. Die Menschen haben das Schöpfungslied immer wieder in ihren Gottesdiensten gesungen, es hat sich in ihren Köpfen festgesetzt: Gott hat diese Welt gut gemacht und auch wenn sie es gerade nicht ist, sie wird auch wieder gut werden.

Die Struktur des Textes mit der klaren Gliederung der sieben Tagewoche, die vielen Wiederholungen machen das deutlich. Aus Chaos (hebräisch: Tohuwabohu) wird Ordnung, aus Dunkel wird Licht, alles bekommt seinen Platz und sein Auskommen. Wenn ich mir dessen gewiss bin, muss ich nicht mit den Umständen hadern. Ich kann nach vorne schauen und versuchen sie zu verbessern.

Ob die Welt nun in sieben Tagen oder in 14 Milliarden Jahren entstanden ist, spielt dann keine Rolle.

Unbenannt

Foto: Doris M. Bömken

Morgenstund‘… - Beitrag von Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Morgenstund‘…
Austausch über die Bibel XXII

Wer kennt ihn nicht: diesen wunderbaren Moment, wenn am Morgen der frische Kaffeeduft die Nasenflügel erreicht!
Ein göttlicher Moment aus den ersten Tagen der Schöpfung, durch den sich der Schöpfer des Himmels und der Erde zu seinem einzigartigen Versprechen hinreißen ließ, siehe „Austausch über die Bibel XXI“ oder Genesis 8,21.

In ihrem erfrischend persönlichen Buch
(Wenn du diesen Brief findest…Als ich einen Brief schrieb und tausende zurückbekam, Verlag Allegria, 2016, Seite 65f) beschreibt Hannah Brencher diese Morgenstund‘. Sie sah ihre Mutter „jeden Morgen bei derselben Routine“:

„Sieben Uhr: Filterkaffee aus der Herdkanne. Ein Schuss Kaffeesahne. Eine aufgeschlagene Bibel, die seit Jahren in demselben Ledereinband steckte, aus den Seitenfächern quollen alte Gemeindebriefe. Aus dieser Bibel schrieb sie dann Bibelstellen ab, bis die zweite Kanne Kaffee leer war…
Es war, als hätte jedwede Düsternis nicht den Hauch einer Chance gegen all die Freude, mit der sie sich umgab. Sie betete am Spülbecken. Sie schmuggelte in alle Briefe, die sie mir schrieb, Bibelverse – nicht weil sie glaubte, mir bei der Suche nach Gott helfen zu müssen.
Ich glaube einfach, sie wusste, dass ich zufriedener wäre, wenn ich zugeben würde, dass er schon da war.“

Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Das Apostelkonzil - Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.

Meine biblischen Lieblingsgeschichten VI

Das Apostelkonzil - Apg 15 und Gal 2

Lukas schildert in der Apostelgeschichte eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Situation. Denkt man doch gerne, dass in der Urkirche alles voller Harmonie gewesen sein müsse.

48/49 n. Chr kommt es zum Streit und das war keine Kleinigkeit. Paulus und Barnabas, mit der Mission der sogenannten heidnischen Völker beschäftigt, werden nach Jerusalem zitiert. Dort trifft sich die Elite der damaligen Urgemeinde. Führende Vertreter der Gemeinde in Jerusalem, vermutlich ehemalige Pharisäer, noch stark in ihrem jüdischen Glauben verhaftet, Petrus und Jakobus, der Leiter der Jerusalemer Gemeinde, aber auch Titus, ein Heidenchrist, der Paulus begleitet, treffen sich um die Differenzen beizulegen. Heute nennt man dies das Apostelkonzil, also die erste Versammlung bei der man versucht die zukünftige Lehre der Kirche festzulegen.

Es werden heftige Auseinandersetzungen gewesen sein. Entzündet hatte sich der Streit an der Mission der Heiden, die doch Paulus Herzensangelegenheit war, seine eigenste Berufung. Die Jerusalemer Vertreter, die Paulus in Gal 2,4 als „falsche Brüder“ bezeichnet, wollten durchsetzen, dass alle Getauften sich dem Gesetz des Mose unterwerfen und sich beschneiden lassen sollen. Paulus sieht in dieser Forderung „die Freiheit, die wir in Christus Jesus haben“ (ebd.) gefährdet.

Letztendlich einigt man sich darauf, dass keine Beschneidung notwendig ist, um Christ zu werden.
Ehemalige Juden und ehemalige Heiden können in den Gemeinden zusammen leben, zusammen Brot brechen und Gottesdienst feiern. Von allen wird Toleranz und Rücksichtnahme erwartet.

Trotz erheblicher Differenzen findet man eine Lösung, keinen bloßen Kompromiss, sondern eine Entscheidung, welcher Weg der richtige ist. Es wird nicht von oben einfach entschieden, sondern diskutiert, Argumente ausgetauscht und das schafft neuen Energien Raum. Paulus und Barnabas machen sich gemeinsam mit Männern der Jerusalemer Gemeinde voll mit neuem Mut nach Syrien und Antiochien auf.


Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.

Trauer um Biblia Vizepräsidenten Prof. Erich Leitenberger

xErich_Leitenberger-20101011_0625.JPG.pagespeed.ic.AVzYgQo0imQuelle: katbild.at/ Franz Joseph Rupprechter

"Journalist, Kirchenexperte und Pressesprecher dreier Wiener Erzbischöfe im 77. Lebensjahr verstorben - Schönborn: Leitenberger war "Stimme der katholischen Kirche in Österreich" (kathpress.at)

Die Projektgruppe Biblia vermeldet das Ableben des Vizepräsidenten des Vereins:

Prof. Erich Leitenberger ist am 18.01.2021 verstorben.

Er war unserer Gruppe von Beginn an verbunden und hat durch sein Wissen und Wirken vielen helfen können.

Wir werden ihn sehr vermissen …

Ruhe in Frieden.

Weitere Informationen unter www.kathpress.at.

Schwarzes Gold - Beitrag Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Schwarzes Gold
Austausch über die Bibel XXI


Sooft in der Bibel von Wein die Rede ist, soüberhauptnicht von Kaffee, dem schwarzen Gold. Immer nur von goldenem Gold. Zumindest war all mein Suchen nach Kaffee in der Bibel bisher erfolglos: Nichts im Geschenkekorb der Königin von Saba. Nichts in den Lieferungen aus Ofir. Nichts im Gepäck der Weisen aus dem Morgenlande. Dabei stammt der Kaffee doch von dort!

Kein kleinstes Packerl wird erwähnt, gemahlen oder ungemahlen, mit oder ohne Koffein, instant oder in Kapseln. War es vielleicht Schmuggelware? Einfach geheim dabei?

Eine einzige mögliche Ahnung, ein froher Verdacht, eine zarte Brise möglichen Kaffeeduftes fächelt zwischen den Zeilen aus dem Buche Genesis 8,21:

Der HERR roch den beruhigenden Duft
und der HERR sprach in seinem Herzen
.
Niemals, solange die Erde besteht,
werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht aufhören.


Sr. Mirjam Dinkelbach OCist